„Sichtweisen“: Aus der Synagoge ins Schloss

KULTUR | Arbeitskreises Fotografie zeigt Blickwinkel aus 35 Jahre Arbeit

35 Jahre ist der Verein Arbeitskreis Fotografie (AKF) mittlerweile aktiv. Grund genug, für die Jubiläumsausstellung „Sichtweisen“ die große Bühne zu nutzen. Den Gästen bietet sich bei einem Rundgang entlang der Fotos die ganze Welt des Schaffens von 18 ausstellenden Mitgliedern.

Die erste Ausstellung im Schloss sei es nicht, sagt die Vorsitzende Christa Becker. Zum 20. Geburtstag habe es die schon mal gegeben. War es der zwanzigste? Ganz sicher ist sie sich nicht. Anders ist das in diesem Jahr und mit der Bewerbung für die „Galerie im Schloss“. „Wir dachten, wir versuchen es mal.“ Die Mitglieder selbst hätten die Fotos, die jetzt in der „Galerie im Schloss“ gezeigt werden. 46 sind es insgesamt. Christa Becker zeigt sich zufrieden mit dem, was entstanden ist. Wobei der Arbeitskreis sowieso erfahren ist in Auswahl und Ausstellungsvorbereitung. In der Geschichte des AKF steht eine Ausstellung in China. Und jedes Jahr zeigen die Mitglieder unter einem anderen Titel ihre Werke für ein Wochenende in der Ehemaligen Synagoge.

Fotografie in ihrer Vielfalt

„Rätselhaft-mystisch“ war sie in diesem Jahr. Nun also die „Sichtweisen“ im Schloss. Die seien so verschieden wie die Fotografen, sagte AKF-Mitglied Klaus Dallinger in seiner Einführung. Der Titel lasse den Fotografen viel Raum. Darüber zeige die Ausstellung die Fotografie in ihrer Vielfalt, fordere aber auch Toleranz, um sich auf die jeweilige Sichtweise einzulassen. „Vielleicht sollten wir dazu mal die eine oder andere Partei einladen“, sagte Dallinger in einem kurzen Abstecher in die Politik. Die Mitglieder fordere das Thema nicht nur bei der Aufnahme, sondern auch in der Interpretation und der Nachbearbeitung. Daraus entstehe Vielfalt selbst bei gleichem Motiv. „Es ist beeindruckend, was daraus gemacht wird“, so Dallinger.

„Manchmal braucht es Glück“

„Fotografie ist weit mehr als das bloße Drücken auf einen Auslöser“, sagte auch Bürgermeister Jürgen Kirchner. Sie sei die Kunst, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Die Werke, so Kirchner, zeigten neue Perspektiven auf das Alltägliche. Das erfuhren die Besucher beim Gang durch die Ausstellung. So ähnelt ein Treppenaufgang einem Schneckenhaus, dank Licht und Schatten und Kontur. Es ist ein Spiel, dessen sich die Fotografen bedienen. Die Motive sind hier konkret und dort abstrakt, sie sind klar in der Linienführung und an anderer Stelle ist die Unschärfe Dreh- und Angelpunkt. Der kurze Moment steht im Kontrast zum Arrangement, die Moderne in dem zum Altertum und Farbe zu Schwarz-Weiß oder auch Original zur Bearbeitung – etwa dann, wenn die fotografierte Blume sich wie ein gemaltes Werk auf Leinwand präsentiert. Es geht um Menschen, um Städte mitsamt ihrer Industrie und um Natur. Dass das Gelingen einzig der Kunst des Fotografen zuzuordnen ist, damit räumte Dallinger kurzerhand auf. „Manchmal braucht es auch ein Quäntchen Glück“, gestand er.

Ausstellung bis in den September

Doch einzig Glück hat die Geschichte des AKF sicher nicht geprägt. Kirchner fasste es zusammen als 35 Jahre Leidenschaft für Fotografie, Geduld und das richtige Gespür für den perfekten Moment. Die Ausstellung bezeichnete er als „visuelles Fest, ein fotografisches Spektakel mit sehr vielen Facetten“. Zu sehen ist dieses Spektakel bis zum 11. September zu den Öffnungszeiten des Rathauses. (cs)

Dieser Artikel erschien in der Hemsbacher Woche am 31. Juli 2026: