Von der Gründung zur festen Größe in Hemsbach

Die Wurzeln des Arbeitskreises reichen zurück ins Jahr 1991. Damals rief Erwin Grüll als Vorsitzender des „Kulturförderkreises Hemsbach“ die Abteilung „Arbeitskreis Fotografie“ (AKF) ins Leben. Was zunächst als kleine Gruppe begann, entwickelte sich schnell zu einer festen Anlaufstelle für Fotografiebegeisterte in der Region.

Seit 1997 ist der Arbeitskreis als Verein selbstständig. Heute umfasst der AKF rund 33 Mitglieder mit einem „stabilen harten Kern von circa 20, der sich alle zwei Wochen, meist zur Bildbesprechung, in der ehemaligen Synagoge in Hemsbach treffen“, schwärmt die Vorsitzende des AKF, Christa Becker.
Der Arbeitskreis verbindet bei seinen Treffen klare Strukturen mit viel Raum für eigene Ideen und kreative Freiheit. Grundlage ist ein Halbjahresplan, in dem die Inhalte gemeinsam festgelegt werden. So entstehen Themenabende, bei denen sich die Mitglieder mit ganz unterschiedlichen Motiven auseinandersetzen, mal konkret vorgegeben (z.B. „Holz“), mal bewusst offen gehalten. Ergänzt wird das Programm durch ein übergeordnetes Jahresthema, das in einer gemeinsamen Ausstellung – wie jetzt am 9. und 10. Mai – mündet. Darüber hinaus gehören Fotowalks, Ausflüge in die Region und einmal im Jahr eine mehrtägige Fotoreise fest zum Vereinsleben. Immer wieder entstehen dabei neue Impulse, die in die gemeinsame Arbeit einfließen. In einem Magazin werden die besten Bilder der Vereinsmitglieder präsentiert.

„Wir kritisieren nie den Autor“
Ein Bild erscheint auf der Leinwand. Für einen Moment ist es still. Dann beginnt die Gesprächsrunde: Was löst das Bild aus? Welche Idee steckt dahinter? Wie ist die Bildgestaltung? „Was sagt uns das Bild, was kann man damit weiter denken?“, bringt Margot König vom Vorstand einen weiteren Aspekt ein.
Jeder kann bei den gemeinsamen Bildbesprechungen sieben Bilder mitbringen. Dabei werden die vorgelegten Bilder besprochen und einer konstruktiven Kritik unterzogen. „Wir kritisieren nie den Autor, sondern immer das Bild“, beschreibt sie die besondere Atmosphäre. „Das übergeordnete Ziel ist, dass die einzelnen Mitglieder praktisch durch das Anschauen von den Beispielen der anderen weiter gebracht werden sollen in ihrer Entwicklung“, ergänzt Christa Becker. Aber auch Kameratechnik und Bildbearbeitung würden thematisiert, etwa in speziellen Workshops, heißt es auf der Homepage des Vereins.
Was den Verein besonders macht, ist das Miteinander. „Was uns allen sehr wichtig ist, ist unsere Gemeinschaft. Wir sitzen abends zusammen und diskutieren, und durch die Bilder der anderen bekommt man neue Ideen. Das regt die eigene Kreativität an“, erzählt Margot König. Viele erleben genau darin den größten Mehrwert, dass es nicht alleine ums Fotografieren geht, sondern darum, sich auszutauschen und Inspiration durch andere Blickwinkel zu erfahren, sich darüber weiterzuentwickeln.

Offen für alles mit Blick fürs Wesentliche
Im Arbeitskreis Fotografie Hemsbach spielen die unterschiedlichen Kameraarten eine untergeordnete Rolle. Ob Smartphone, Spiegelreflexkamera oder analoge Fotografie, entscheidend sind nicht die Ausrüstung, sondern die Bildidee und die Wirkung. Gleichzeitig ist der Verein offen für moderne Arbeitsweisen. Bildbearbeitung, z.B. die Benutzung des Programms Lightroom, gehört für viele Mitglieder selbstverständlich dazu und wird auch gemeinsam betrachtet und weiterentwickelt.
Technisches Wissen ist vorhanden und fließt in die Arbeit ein, steht jedoch nie im Mittelpunkt. Im Fokus steht vielmehr die Frage, was ein Bild ausdrückt und wie es wirkt. Genau dieser Ansatz schafft Freiraum für unterschiedliche Stile, neue Ideen und individuelle Perspektiven. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit im Arbeitskreis ist der Blick auf die Perspektiven anderer. Durch das gemeinsame Betrachten und Besprechen der Bilder entstehen neue Ideen, die die eigene fotografische Entwicklung voranbringen.
Gerade die Vielfalt der Herangehensweisen sorgt für Impulse: Unterschiedliche Stile, experimentelle Ansätze und kreative Themen eröffnen neue Sichtweisen und regen dazu an, Gewohntes zu hinterfragen. So entwickelt sich Fotografie im Arbeitskreis nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich weiter. Wie Vorstandsmitglied Rosi Reusch beschreibt, zeigt sich in den Fotos der Vereinsmitglieder eine gewisse Tendenz zur Abstraktion. „Zum Einfachen, zum Minimalismus“, ergänzt Margot König. Der Austausch innerhalb der Gruppe schafft dabei einen Raum, in dem Inspiration entsteht und sich individuelle Ausdrucksformen entfalten können.

Information
Der Arbeitskreis Fotografie Hemsbach freut sich über neue Mitglieder. Die gemeinsamen Treffen finden jeweils am 1., 3. (und 5.) Mittwoch im Monat statt, Beginn ist um 19 Uhr in der Ehemaligen Synagoge, Mittelgasse 16 in Hemsbach.
Die alljährliche Jahresausstellung des AKF findet am 9. und 10. Mai unter dem Motto „rätselhaft – mystisch“ in der ehemaligen Synagoge statt.
Ein besonderes Highlight ist dieses Jahr die aktuelle Jubiläumsausstellung „Sichtweisen“ in der Galerie im Schloss vom 23. Juli bis 11. September.
Weitere Informationen zum Verein unter: akf-hemsbach.com